Justizanstalt Feldkirch Exkursion

Vier Stunden hinter Gittern

Am 30. November 2015 besuchten wir, der zweite Jahrgang des Aufbaulehrganges/Kollegs, im Rahmen einer Exkursion, die Justizanstalt Feldkirch.  Begleitet wurden wir von unserem „Wirtschaft und Recht“ Lehrer, Professor Oberbauer, der diesen Besuch überhaupt möglich machte. Da unsere Begleitperson vom Fach war, hatten wir das Glück aus erster Hand Informationen über das angrenzende Gericht und die Justizanstalt selber zu erhalten.

Als wir den Durchgangsbereich passierten, sahen wir vor uns das historische Schwurgericht am Ende des Innenhofs. Dieses Gebäude war zum Glück geöffnet. Somit konnten wir einen Blick hinein werfen und uns durch Erzählungen unseres Professors von einer Anhörung ein konkretes Bild machen. Zur Linken des Schwurgerichts ging es dann weiter zum Besucherraum des Gefängnisses. Zwei Justizwachen, unter anderem der Oberkommandant der Justizanstalt, wiesen uns ein und erzählten uns gleich vor Ort wie es mit Besuchszeiten aussieht und welche Varianten es gibt. Der sogenannte „Glasbesuch“, ist die typische Besuchsart á la Hollywood. Eine Glasscheibe trennt den Insassen vom Besucher, wobei sie die Möglichkeit haben über ein Telefon miteinander zu sprechen. Die Alternative ist ein Tischbesuch, der aber zuerst von der Staatsanwaltschaft bei Untersuchungshäftlingen und durch die Anstaltsleitung bei regulären Häftlingen gewährt werden muss.

Nach dieser kurzen Einleitung begleitete man uns durch den Zellentrakt, der zuvor von weiterem Personal abgesichert wurde. Dies war auch nötig, da sich ein großer Teil der 121 Insassen teils frei bewegen darf. Über einen Lift erreichten wir dann die oberste Etage. Dort befanden sich die Bibliothek und ein Sportraum. Ein Teil der Freizeitgestaltung ist hier möglich und auch erwünscht. Denn nicht nur der Bücherbestand, der 5407 Exemplare umfasst, sondern auch der Raum mit Sportgeräten, die es einem erleichtern einen Ausgleich zu finden, lockt so einige „Gäste“ hier her, ihren tristen Alltag zu verbringen. Zugleich, unterstützt von Institutionen, wie beispielsweise dem IFS, bilden Häftlinge Sport- oder Gesprächsgruppen um der Gewalt fernzubleiben. Gewaltfreie Kommunikation ist hier der Schlüsselbegriff, denn Missverständnisse sind an der Tagesordnung, wenn über 40 Prozent anderer Nationen und Kulturen entstammen. Ferner wurde ein Programm namens „Albatros“ ins Leben gerufen, dass den Insassen ermöglicht den Hauptschulabschluss nachzuholen, falls dieser noch nicht gemacht wurde.

Ergänzend zum Sportraum dürfen die Insassen gesetzlich eine Stunde am Tag im Hof im Kreis spazieren. Doch ist das Angebot an Freizeitgestaltung noch etwas umfangsreicher. Fernseher und Radio sind mittlerweile auch in den Hafträumen der Justizanstalt Feldkirch Standard, einmal wöchentlich darf man den internen Kiosk aufsuchen und für gewisse Sträflinge gibt es sogar „Ausgang“. Diese sogenannten „Freigänger“ müssen sich aber binnen 24 Stunden (Ausnahmen bestätigen die Regel)  wieder im Gefängnis melden und ihre Strafe weiter abbüßen.

Zuletzt zeigte man uns die Werkstätte in der untersten Etage, in der Schreinerarbeiten und Ähnliches von den Häftlingen verrichtet werden kann. Diese Arbeiten werden für intern benötigte Teile und Ausbesserungen genutzt und ist eine Möglichkeit den Tag nicht in der Zelle, sondern mit Arbeiten zu verbringen. Prinzipiell ist jeder Häftling zur Arbeit verpflichtet. Jedoch sind lediglich 30 „erwerbstätig“, da mehr zurzeit die Kapazitäten sprengen würden.
Wieder im Besucherbereich angekommen beantwortete mir der Kommandant noch einige Fragen bezüglich der Ausbildung zur Justizwache. Er erklärte mir, dass nach einem Jahr Schulung, bestehend aus zwei Praxis- sowie Theorieteilen, der Beruf erlernt wird. Danach gäbe es die Option in ein Sonderkommando überzutreten, die für Sondereinsätze 24 Stunden/7 Tage die Woche in Bereitschaft steht.

Nach vier Stunden hatten wir den Großteil der Justizanstalt gesehen und eine Menge an Informationen sammeln können, die einem einen kleinen Einblick geben konnten, wie es wohl hinter Gittern ist. Natürlich ohne die psychische Belastung oder das Gefühl eingesperrt zu sein. Im Großen und Ganzen war es eine sehr ernüchternde Exkursion, die sehr zum Nachdenken angeregt hat.

Wir, die 3aka/f danken unserem Professor Herrn Oberbauer für die Organisation und Begleitung dieses Rundganges.

Robin Reichart

Zurück